Berichte

Fezherstellung in Kairo

Der Fez  (ursprünglich türkische Kopfbedeckung für Männer)

Von Nada Sabine Reimann und Shazadi Simone Paulyn (RegBüro Hannover)

Im Basar in Kairo stoßen wir auf das einzige noch existierende Fez-Geschäft. Hier werden Feze verkauft, hergestellt und repariert.

Im Geschäft arbeiten der Inhaber und ein Angestellter. Der Inhaber möchte nicht mit uns sprechen, da er kein Englisch kann. Der Besitzer des Nachbargeschäfts, Isham Murad, bietet uns an uns über die Geschichte des Fez etwas zu erzählen. Herr Murad verkauft Bett -und Haushaltswäsche.

„Im Fezgeschäft arbeiten zwei alte Männer. Einer der beiden ist der Besitzer. Das Familienunternehmen besteht seit mehr als 100 Jahren. Der jetzige Besitzer hat drei Brüder, hat das Geschäft aber allein übernommen.“

Wir bitten Herrn Murad uns über den Ursprung des Fez hier in Ägypten etwas zu erzählen. Er berichtet uns, dass der Fez eigentlich türkischen Ursprungs ist. Als Mohammad Ali eines Tages aus Albanien kam und einen Fez trug, fing die Bevölkerung ebenfalls an, Fez zu tragen.

Mohammed Ali war 1805 bis 1848 Vizekönig von Ägypten sowie osmanischer Pascha. Er wurde 1769 als Sohn albanischer Eltern geboren und kämpfte gegen die Expedition Napoleon Bonapartes.

Herr Murad berichtet uns, dass die meisten Männer von ca. 1800 bis Mitte- Ende der sechziger Jahre des 20. Jh. einen Fez trugen. Von der neuen Generation trägt niemand mehr Fez. Ausnahmen sind der heilige Mann in der Al-Azhar-Moschee sowie die Studenten der Al-Azhar Universität.

Früher war der Fez rund, heute ist er gefaltet. Heute werden die Feze von Touristen gekauft oder in Filmen verwendet.

Die Feze werden aus Palmblättern handgemacht. Danach werden sie in der Maschine gepresst. Er wird mit Klebstoff bestrichen und mit rotem Filz bezogen, getrocknet und erneut gepresst. Zu guter letzt wird die Kopfbedeckung gesäubert und gebügelt.

Kaputte Feze werden im Geschäft repariert und mit neuem Filz bezogen.

Auf Arabisch heißt der Fez Tarboush. 

 

 

 

In der Straße der Zeltmacher in Kairo

Das RegBüro Hannover, Shazadi Simone Paulyn und Nada Sabine Reimann, berichtet aus Kairo.

 

Im Basar.(Suq) sind die Straßen nach Waren aufgeteilt. Unser Weg führt uns zu Ayman, dem Zeltmacher. Die Zeltmacher haben ihre Werkstätten in der Qasaba Radwan Bey, der einzigen überdachten Marktstraße Kairos, die heute noch existiert. Sie wurde 1650 fertiggestellt. Damals waren die meisten Märkte zum Schutz gegen die Sonne mit Holz oder großen Zeltplanen gedeckt. Bis heute werden hier die großen Zeltplanen hergestellt, die für Hochzeiten, Beerdigungen und Heiligenfeste benötigt werden.

Wir finden Ayman nicht gleich und die anderen Geschäftsleute sind uns gern behilflich.

In die Straße der Zeltmacher kommen nur wenige Touristen, weil sie nicht im Zentrum des Touristenbasars des Khan-al-Khalili in der Altstadt liegt.

Bis vor zehn Jahren nähten die Zeltmacher noch die Zeltwände in Patchworktechnik. Die Zelte wurden für große Feiern wie Hochzeiten, Beerdigungen und religiöse Feste für die Gäste aufgestellt.

Aus Kostengründen werden die Stoffe heute nicht mehr genäht sondern gedruckt. Die Zeltmacher verkaufen Wandbehänge, Taschen, Kissenbezüge und Decken unterschiedlicher Größe.

Aymans Laden ist ca. zehn qm groß. Nebenan befindet sich ein weiterer, in dem die Familienmitglieder die Waren fertigen.

Mit Ayman führten wir folgendes Interview:

RegBüro: Ayman, wie lange besteht dein Familienunternehmen?

Ayman: Seit 85 Jahren. Mein Großvater hat es gegründet.

RegBüro: Wie viele Familienmitglieder arbeiten hier?

Ayman: Hier arbeiten 12 Familienmitglieder aus drei Generationen.

RegBüro: Können alle davon leben?

Ayman: Ja, wir können alle davon leben, aber eben nur leben. Das Einkommen ist, je nach Tagesgeschäft, sehr unterschiedlich. Es ist von den Touristen abhängig. Sie kommen eher nicht in diese kleine Straße, weil sie abgelegen ist und sich nicht auf dem Touristenbasar befindet. Hier gibt es nur Zeltmacher, aber kein Marketing.

RegBüro: Welche Motive stellt ihr her?

Ayman: Es gibt vier verschiedene Motive: islamische Designs aus den Moscheen, Lotus,(pharaonische Motive), das Paradies und Kalligraphie.

 

Ayman hatte vor einigen Jahren das Glück, sein Kunstgewerbe auf einer Ausstellung in Australien präsentieren zu können. Er ist darauf sehr stolz und zeigt uns die mittlerweile vergilbten Zeitungsausschnitte. Die Gattin des australischen Botschafters beschäftigt sich mit ähnlichen Arbeiten. Diese werden allerdings maschinell gefertigt. Sie gab Ayman die Möglichkeit, seine Handarbeit zu zeigen.

 

Wir bedankten uns bei Ayman für das Interview, welches wir gemütlich bei einer Tasse „Kakadee“ in seinem kleinen Laden führten. Natürlich versprechen wir ihm, bei unserem nächsten Besuch eine „Chorika“ mit unserem Bericht und den Fotos mitzubringen!! Nachdem wir uns mit Geschenken und Mitbringseln bei ihm eingedeckt haben, sind alle zufrieden und wir verabschieden uns von Ayman.